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Das Comenius-Projektes des OHG verfolgt das Ziel,

inklusive Ansätze in Europa zu vergleichen, um daraus Möglichkeiten abzuleiten, wie inklusive Schulen gestaltet werden können. Unter Inklusion versteht man im engeren Sinne die Eingliederung von Kindern mit Behinderungen in eine Schulgemeinschaft, im erweiterten oder besser: korrekten Sinne aber vielmehr Schulen, die jeden Schüler nach seinen Begabungen fördern und fordern und trotzdem gemeinsames Lernen und Leben ermöglichen.

Einfach gesagt, aber ist das umzusetzen? Gemeinsam mit den anderen Comenius- Partnern setzen wir uns mit der Frage auseinander, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit Inklusion möglich ist. Mit dieser Frage und daran ausgerichteten Fragebögen für Schüler und Lehrer im Gepäck sind wir Ende März nach Finnland geflogen, um das finnische Schulsystem und deren Ideen und Umsetzungen zur Inklusion zu analysieren. Dort haben wir uns in Zusammenarbeit mit den Comenius-Partnern aus Österreich, Spanien, Dänemark und den Niederlanden intensiv mit diesem Thema befasst. In der Stadt Kuopio hatten wir die Möglichkeit zu sehen, wie die Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung sich gestaltet. An der Partnerschule, einer Förderschule, haben die Kinder einen anderen Schulalltag als an einer Regelschule: Vieles findet im musischen Bereich statt und das Lernen von Inhalten ist häufig an Bewegung gekoppelt. Auch der Betreuungsschlüssel für die Kinder ist weit höher als bei uns an der Schule. Häufig unterrichten auch Physiotherapeuten zusammen mit Lehrkräften.

Weiterhin besuchten wir eine Highschool, in der uns ein Mädchen im Rollstuhl von ihren Erfahrungen berichtet hat. Dieses Treffen hat uns einerseits gezeigt, welchen Schwierigkeiten Menschen mit Behinderung im Schulalltag ausgesetzt sind, andererseits wurde aber auch deutlich, dass diese Art der Eingliederung dennoch funktionieren kann.

Allerdings: Ob damit ein inklusives System erreicht ist, ist zu diskutieren. Diese Art der Eingliederung ist genau betrachtet letztlich eine Integration und verfolgt deshalb den Grundgedanken nur am Rande. Es wird hier auf räumlicher Ebene eine Möglichkeit der Teilhabe geschaffen. Diese Art der Eingliederung drängt aber zwingend eine entscheidende Problematik in den Fokus: Sobald eine Schule für ein Kind bestimmte Voraussetzungen schafft, muss damit einhergehend – aus jedem Verständnis von Gerechtigkeit heraus – jedes andere Kind auch gefördert und gefordert werden.

Durch unsere Kenntnisse aus dem Seminarkurs „Inklusion“ und den Erfahrungen und Eindrücken aus Finnland sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass Förderungen vom Staat für eine inklusive Schule notwendig sind. Dadurch können räumliche und personelle Voraussetzungen für ein gemeinsames Lernen und Leben möglich werden. Sind diese gegeben, stellt die Integration von Kindern mit Behinderungen keine unüberwindbare Hürde dar.

Eine Umgestaltung der Schule dahingehend, dass alle Schüler individuell gefördert und gefordert werden, aber trotzdem gemeinsam lernen können, ist aber auch hier nur in Ansätzen erkennbar. Hier haben Finnland wie Deutschland noch Nachholbedarf. Wie dieser gestaltet sein könnte bzw. muss, wird nach der Auswertung der Fragebögen für Lehrer und Schüler deutlicher, in denen Punkte wie individuelle Förderung, Unterrichtsgestaltung und Schullandschaft abgefragt werden.

Diese Fragebögen werden auch im nächsten Partnerland, Spanien, eingesetzt werden. Dorthin wird der Seminarkurs im Mai reisen und – so Berichten zufolge – auf andere Schulen, aber auch auf eine andere Landschaft und Kultur stoßen: Während in Finnland Seenlandschaften, Saunakultur und Kälte anzutreffen waren, warten in Spanien Olivenbäume, die Fail (ein Tanzfest) und Hitze.

 

Linda Follmer und Laura Müller mit Daniel Rauser

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